Konzept und Modell: Enrichment im Hochbegabtenzug

Bei der Gestaltung des Unterrichts in den Hochbegabtenklassen ist es einerseits notwendig, die fachbezogene Wissensvermittlung in den bewährten Formen des Lehrens und Lernens aufrecht zu erhalten, andererseits gilt es, dem oft besonderen Lernverhalten der Schüler entsprechende Zugänge zu eröffnen. So unterscheidet sich die Zahl der Fächer und der Wochenstunden in den Hochbegabtenklassen nicht von der entsprechenden Anzahl in den Regelklassen.

Ein wichtiger Unterschied liegt jedoch in der Einrichtung und Gestaltung der Enrichmentfächer „Mensch und Natur (MuN)“ in Klasse 5 und 6 und "Kultur und Mensch (KuM)" ab Klasse 7, in denen ein verlässlicher Raum für fächerübergreifendes und projektbezogenes Arbeiten geschaffen wurde.

Im „Heidelberger Modell“ geschieht dies in den Klassenstufen 5 und 6 im Zusammenwirken des Biologie- und des Deutschlehrers, die für die Stunden des eigentlichen Enrichmentfaches und für die daran angrenzenden Deutschstunden frei geblockt sind, so dass sie den Unterricht je nach Projektschwerpunkt im Teamteaching oder auch getrennt durchführen können. Dieser vierstündige Enrichmentblock kann nun in vielfältiger Weise für handlungsorientiertes Arbeiten, für Formen selbstorganisierten Lernens, für binnendifferenzierende Methoden, für projektbezogenes Unterrichten oder auch für das Vertiefen von bereits Erlerntem genutzt werden. In späteren Klassenstufen werden die jeweils im Enrichment zusammenarbeitenden Fächer ausgetauscht, so dass den Schülerinnen und Schülern in unterschiedlichen Kombinationen projektbezogene und fächerübergreifende Lernformen begegnen.

Beispiel für einen „Heidelberger Modellmorgen“ in der 6. Klasse:

1. Stunde: Fach X
2. Stunde: Fach X
3. Stunde: Deutsch – Deutschlehrer und/oder Biologielehrer
4. Stunde: Deutsch – Deutschlehrer und/oder Biologielehrer
5. Stunde: MuN – Biologielehrer und/oder Deutschlehrer
6. Stunde: MuN – Biologielehrer und/oder Deutschlehrer
Mittagspause
7. und 8. Stunde: Biologie-Naturwissenschaft-Technik (BNT) – Biologielehrer

Einige Beispiele mögen die Arbeit im Fach „Mensch und Natur“ konkretisieren:

  • In der Lehrplaneinheit „Anschauliches Erzählen/Schreiben“ wurden die präzise Wahrnehmung und Beschreibung von Sinneseindrücken mit der Darstellung des Aufbaus der Sinnesorgane und deren Funktionsweise verknüpft.
  • In der Unterrichtseinheit „Märchen“ verfassten die Kinder ein eigenes Märchen. Die spannendste Erzählung unter den angefertigten Texten wurde von den Schülern ausgewählt, gemeinsam in ein Theaterstück umgeschrieben, eingeübt und am Projekttag beziehungsweise am Tag der offenen Tür aufgeführt. Dies geschah in Zusammenarbeit mit dem Fach Kunst, denn es musste unter Anleitung des Kunstlehrers u.a. das Bühnenbild geschaffen werden.
  • Ein ganz besonderes Unterrichtserlebnis in MuN war der Besuch der Falknerei auf dem Königsstuhl. Die Einheit „Berichten und Beschreiben“ wurde verbunden mit der Einheit „Greifvögel“. Die Beobachtung am „außerschulischen Lernort“ lieferte lebendiges Anschauungsmaterial für die Aspekte der Fächer Deutsch und Biologie.
  • Großer Wert wird im Fach MuN auf Gruppenarbeit und freie, selbstständige Recherche gelegt, die z.B. in einem Vortrag mit Präsentation des erarbeiteten Themas mündet. Zur Recherche wird nicht nur das Internet genutzt, sondern auch die Stadtbücherei. Das Kennenlernen und die Nutzung verschiedener Quellen, das angemessene Recherchieren und Exzerpieren sowie die Bewertung der gewonnenen Informationen sind wichtige Grundtechniken für späteres wissenschaftliches Arbeiten. Ein gemeinsamer Besuch mit einer Führung durch die Stadtbücherei legte hier erste Grundlagen.
  • Im Projekt „Das Wattenmeer“ wurden Sagen und Mythen aus dieser Gegend und der Kampf der Menschen gegen das Meer im Vorfeld einer Exkursion von einigen Gruppen erarbeitet. Andere beschäftigten sich mit den geologischen und biologischen Besonderheiten dieser Landschaft. Der Höhepunkt war der einwöchige Aufenthalt in der Jugendherberge Wyk auf der Insel Föhr, wo das Erarbeitete vorgetragen wurde, bzw. „in loco“ verifiziert werden konnte.

Detaileinblicke vermitteln auch folgende Projektplakate und Projektbeschreibungen:

Bei allen Besonderheiten ist es uns wichtig zu betonen, dass die hochbegabten Kinder, ebenso wie alle anderen Fünftklässler, Zeit brauchen, sich an die neue Situation am Gymnasium zu gewöhnen. Viele müssen lernen zu lernen, da ihnen die Stofffülle nicht mehr so selbstverständlich zufliegt wie vielleicht noch in der Grundschule, sondern durch kontinuierliches Lernen erarbeitet werden muss. Unser Anliegen ist es, ein Auge auf jeden dieser Schüler zu haben, sie so anzunehmen wie sie sind, sie in ihren Stärken zu fördern und ihre Schwächen aufzufangen, ihnen einen Raum für die Entwicklung ihrer Begabung und ihrer Persönlichkeit zu geben. Diesen Prozess zu begleiten und zu fördern ist eine wunderbare und verantwortungsvolle Aufgabe.